Wie ich zur Unternehmerin wurde …

… und was du daraus lernen kannst

 

Diesen Beitrag habe ich im Rahmen der Blogparade von Andreas Schmied von der Wunschschmiede geschrieben.

 

Möge er dich inspirieren, all deine Höhen und Tiefen deines Lebensweges zu hinterleuchten und dir daraus einen Talisman zu schnitzen, den du in schwierigen Zeiten einer Unternehmerin betrachtest, um neuen Mut zu schöpfen.

 

Lehrjahre einer Unternehmerin

Ende Oktober 2000 begannen also meine, wie ich sie gerne nenne, Lehr- und Wanderjahre.

Wenn du ein eigenes Unternehmen gründest, ist das wie ein persönlichkeitsbildendes Seminar. Das ganze Leben ist zwar ein solches Seminar, jedoch als Unternehmerin hast du einen besonderen Turbo gebucht.

Du stößt immer wieder an deine Grenzen und hast jeden Tag die Möglichkeit, über deine Komfortzone zu wachsen.

Deine Kunden, deine Marktpräsenz und dein Kontostand spiegeln dir deine Glaubenssätze.

Im Moment, wo du deinen Gewerbeschein ziehst, bis zu dem Moment, wo du dein Gewerbe niederlegst, bist du in deinem eigenen Seminar und arbeitest an deiner Persönlichkeit, deinen Mustern und Glaubenssätzen.

Bewusst oder unbewusst lotest du deine Grenzen aus und überschreitest sie, um zu wachsen – oder eben nicht.

Du hast die Freiheit, deine Kreativität voll auszuschöpfen und die Schöpferin für neue Produkte oder Trends auf dem Markt zu sein.

Du kannst dich entscheiden weiterzustreben oder stehenzubleiben. Und das in jeder Sekunde deines Lebens neu.

Es liegt immer nur an dir.

 

Der Wunsch wird geboren

Der eigentliche Wunsch Unternehmerin zu werden, entstand in meinem dritten Lehrjahr. Ich übernahm damals eine Drogerie-Filiale meiner Lehrfirma und steigerte den Umsatz von ÖS 500.- auf über ÖS 6000.-.

Ich bekam kein „Danke“ und leider keinen Bonus.

Damals war ich 19 Jahre.

Logisch, dass da der Wunsch nach etwas Eigenem aufkeimte. Ich war aber dennoch voll zufrieden mit dem, was ich (für die Lehrfirma) erschaffen hatte: Diese eine Filiale hatte ich zu einem Glanzstück aufgebaut. Die Auslagen waren so innovativ und ansprechend gestaltet, dass Laufkunden  die teuersten Produkte anfragten. Ich malte Plakate, bastelte aus alten Schachteln Dekowürfel und optimierte das Warensortiment.

Ich erkannte, dass es ohne Struktur nicht ging.

 

Struktur muss her

  • Einmal pro Monat das ganze Geschäft putzen.
  • Jede Woche eine der 4 Auslagen neu gestalten (sich dazu einen Dekoplan entwerfen).
  • Einmal die Woche Waren bestellen.
  • 2 x im Jahr die Waren auf ihr Haltbarkeitsdatum kontrollieren.
  • Stammkundenpflege (den vorhandenen Stammkundenpass aktiv austeilen).
  • Beratung forcieren.
  • Markttrends aufgreifen und nutzen (damals war es gerade total IN, eine Haarspange mit einer großen Masche zu tragen. Wir durften die Spangen nicht bestellen, obwohl sie wie die warmen Semmeln weggingen. Also bestellte ich leere Spangen, kaufte Samt- und Satinbänder. Und dann saßen wir mit meinem Lehrling und nähten Maschen. Die verkauften wir dann um den Marktpreis. EK ÖS 10.- VK ÖS 120.-)
  • Jeden Tag am Abend das Kassabuch.
  • Pünktlich am Ende des Monats den Monatsabschluss.
  • u.s.w.

 

Ich kann dir heute nicht mehr sagen, woher ich das Wissen dazu nahm. Vielleicht hatte ich es mir von den Filialen abgeschaut, in denen ich vorher zwei Jahre lang war.

Ein Großteil war aber sicher Intuition.

In jedem Fall ist es genau das, was jeder Selbstständige sich für sein Unternehmen erschaffen sollte.

Struktur.

Sieh es als Rahmen, als Gerüst. Die Zwischenräume kannst du gestalten, wie du möchtest oder wie es der Markt gerade braucht.

Struktur ist das, was dich wieder aufstehen lässt, wenn du einmal  hingefallen bist.

 

[ctt title=”Struktur ist das, was ich bei all meinen Unternehmungen erschaffe, um ihnen Halt zu geben.” tweet=”Struktur ist das, was ich bei all meinen Unternehmungen erschaffe, um ihnen Halt zu geben. https://ctt.ec/RS6c3+” coverup=”RS6c3″]

 

–> Wie schaut es mit deiner Struktur aus? Lege dir für dein Unternehmen unbedingt eine Struktur an!!

 

Der nächste Schritt – die Erkenntnis

Nachdem ich dort an die „gläsernen Decke“ gestoßen war, schaute ich mich auf dem Markt nach einer neuen Möglichkeit um.

Als Geschäftsführerin arbeitete ich einige Monate bei einem Drogisten. Er versprach mir 10 % Umsatzbeteiligung.

Leider kam er mit meinen Innovationen nicht zurecht, ja behinderte sogar die Umsatzsteigerung, weil er weder Geld hatte, Waren zu besorgen – noch mich zu bezahlen.

Dort arbeitete ich als

  • Köchin für den BIO-Mittagstisch
  • Drogistin für Waren aller Art inkl. Lacken, Pinseln … und Fotografie
  • Ernährungsberaterin
  • Kosmetikerin (Hauptpflegeberatung und Verkauf von Cremen)

Auch hier steigerte ich den Umsatz von 200.- auf über 3000.-, wobei das ohne die nötige Ware manchmal eine echte Herausforderung war.

Leider bekam ich die Umsatzbeteiligung nicht.

Einige Male forderte ich sie ein. Als ich sah, dass es zwecklos war, bewarb ich mich bei dm als Filialleiterin.

Das von dem Drogisten geschuldete Geld klagte ich ein, bekam davon genau die Hälfte. Den Rest verbuchte ich unter „Lehrgeld“ bezahlt.

Dann war ich mit 20 Jahren die wohl jüngste Filialleiterin bei dm.

 

Stärken nutzen

Eine meiner Stärken ist es, Menschen zu verbinden, ihre Stärken zu erkennen und zu fördern. Sie zu motivieren, ihnen auf gleicher Augenhöhe zu begegnen und sie als Mensch, mit all seinen Wünschen und Bedürfnissen, anzuerkennen. Dazu gehört auch, die Mitarbeiter in die Arbeitsprozesse einzubeziehen, so dass sie wissen, warum sie tun, was sie tun.

 

[ctt tweet=”Sie als Mensch wahrzunehmen, nicht nur als Arbeitskraft oder Kunde. https://ctt.ec/X4Lbi+” coverup=”X4Lbi”]

 

Eine meiner anderen Stärken ist es, Abläufe zu rationalisieren und Arbeiten zu organisieren. Durch das Rationalisieren von Arbeitsabläufen erspart man sich viel Zeit und damit Geld.

Das erkannte dm.

Nachdem ich die erste „schwierige“ Filiale geordnet, das Personal (4 Mitarbeiter) motiviert, umsatzmäßig in schwindelnde Höhen gebracht und umgebaut hatte, bat man mich, eine weitere „schwierige“ Filiale zu übernehmen.

Die zweite Filiale baute ich auch um, sie wurde ergänzt mit Kosmetik-, Frisör- und Imbissbereich. Ich hatte dann 15 Mitarbeiterinnen.

Als alles schön sauber lief, wollte ich weiter. Also überlegte ich, was ich machen könnte.

Zwischenzeitlich hatte ich die Konzessionsprüfung gemacht. Und hatte genug Geld gespart, eine eigene Drogerie aufzumachen – doch damals sank gerade der Stern der Drogerien.

Und damit mein Ziel.

 

Krise Nr.1 – Grenzen kennen lernen

Was passiert, wenn du sechs Jahre auf ein Ziel hinarbeitest und dann bricht dir der Markt weg?

Das ist eine Krise. Meine erste Krise war damals.

Wenn du selbstständig bist, kannst du dich relativ rasch an neue Gegebenheiten anpassen. Meist hast du sie schon vorausgesehen und kannst diesbezüglich neue Felder eröffnen.

Als Angestellte sah ich damals keinen Weg.

So dümpelte ich ein bisschen herum, indem ich noch eine Stufe der Karriereleiter hinaufstieg. Derweilen wollte ich meine 3-jährige Ausbildung zum Verkaufsleiter fertig machen.

Zuerst bewarb ich mich firmenintern als Bezirksleiter, doch da stieß ich wieder an eine „gläserne Decke“. Damals waren noch sehr wenige Frauen in hohen Führungspositionen.

Also bewarb ich mich auf dem Markt und nahm bei Ankerbrot die Herausforderung als Bezirksleiterin an. Doch dort begrüßte mich das Chaos. Den Großteil meiner Arbeitszeit verbrachte ich damit, Personal von einer Filiale in die andere zu rochieren, um nicht irgendwo nicht aufsperren zu können.

Und das von 5 Uhr früh bis 22 Uhr Abend.

Auch hier erkannten sowohl Prokurist als auch Verkaufsleiter meine Stärken und das Potential für die Firma, das sie in sich trugen. Sie waren jedoch in den Firmenstrukturen gefangen und machtlos, etwas Großes zu bewegen. Diesen Koloss an Firma konnte niemand mehr retten.

Ich blieb nur 3 Monate. Ehe die befristete Dienstzeit um war, bat ich um Auflösung des Dienstverhältnisses. Sie wollten mich nicht gehen lassen: „Sehen Sie, wir haben ja nur einen Verkaufsleiter für 15 Bezirksleiter! Bleiben Sie noch zwei Monate, dann können wir Sie befördern.“

Aber die Firmenphilosophie stimmte absolut nicht mit meinen Werten überein.

Dort lief damals dermaßen viel falsch, dass ich nicht weitermachen wollte. (Ich bin nicht Herakles und kann wie er Flüsse umleiten. Und gut war es, die Firma ging dann knapp im 100sten Jahr nach ihrer Gründung den Bach hinab.)

 

Ich war an Grenzen gestoßen.

  • An körperliche. Mein Magen, mein ganzer Körper signalisierte mir: Schluss damit.
  • Und an eine Werte-Grenze.

Ich erkannte:

  • Karriere und Geld sind nicht alles.
  • Und wenn Menschen als „Material“ behandelt werden, mach ich nicht mit.

Zu der Zeit war ich nahe am Burnout. In den 3 Monaten hatte ich mich komplett ausgepowert. Ich brauchte noch lange, bis ich keine „Personalrochaden“ im Kopf mehr laufen hatte.

 

Kinderjahre – Jahre der Aus- und Weiterbildung

Und wieder sortierte ich, was ich hatte und wollte:

  • Ich wollte meine Ausbildung fertig machen und
  • wieder zu mir selber finden.

Das gelang, der „Zufall“ kam in Form eines kleinen ausgeblichenen Zettels an der Türe meiner Apotheke – sie suchten eine Drogistin als Apothekenhelferin.

In der Apotheke blieb ich weitaus länger als geplant. Nach der Karenz mit meinem zweiten Kindes und einem weiteren Jahr Bildungskarenz (wo ich die Montessoriausbildung machte), fing ich dort wieder an zu arbeiten. Allerdings bekam ich nur drei Nachmittage und einen Samstag angeboten. Zeiten, wo meine Kinder nicht im Kindergarten waren.

Ich erkannte – hier ist der Weg zu Ende.

Und sah eine weitere meiner Werte-Grenzen: Ich hatte meine Kinder nicht bekommen, um sie dann kaum mehr zu sehen.

Als Interimslösung nahm ich das Angebot zwar an, schaute mich aber auf dem Markt schon nach etwas anderem um.

 

[ctt title=”Es musste sich etwas ändern – die Zeit war reif für die Selbstständigkeit.” tweet=”Es musste sich etwas ändern – die Zeit war reif für die Selbstständigkeit. https://ctt.ec/2QOak+” coverup=”2QOak”]

 

Drei Monate später, Ende Oktober 2000 entschloss ich mit bei einer Networkingfirma einzusteigen und zog meinen ersten Gewerbeschein. Das hielt nicht lange, zu dieser Art von Geschäft habe ich keinerlei Fähigkeiten.

Im Jänner 2001 brachte ich meine erste Internet-Monatszeitschrift auf den Markt.

 

Aber: Ich hatte keinen genauen Plan.

Also sortierte ich meine Ressourcen, sondierte die Möglichkeiten und Trends auf dem Markt und startete mit dem „Erfolgsmanagement“.

Ziel: Menschen zu fördern.

Und mit einem Mal fielen alle meine Ausbildungen, die ich bisher in meinem Leben gesammelt hatte (scheinbar ohne bestimmten Plan), auf ihren Platz zu einem Bild.

Mein eigenes Unternehmen war geboren, ich war Unternehmerin!

Text für Menschen. JungunternehmerInnen fördern, sie bei der Präsenz auf dem Markt zu unterstützen. Sie zu motivieren, Strukturen zu schaffen, die andere mitbenutzen können, ohne gleich etwas „Eigenes“ anfertigen zu müssen.

Damals gab es kaum Netzwerke, also gründete ich bei der Wirtschaftskammer ein eigenes. Aus diesem Netzwerk heraus brachte ich 2003 die Gesundheitsmesse „Festival der Sinne“ auf den Markt.

Aus gesundheitlichen Gründen begann ich 2003 noch eine Ausbildung. Die zur „TCM-Ernährungsberaterin“. Ich zog den Gewerbeschein genau zum rechten Zeitpunkt, um als eine der ersten TCM-ErnährungsberaterInnen in Wien tätig zu werden.

Aber: Alles war immer noch unfertig und unstrukturiert, ich tastete, suchte und lernte auf dem Markt Fuß zu fassen.

So ist das, wenn du keinen Plan hast.

 

Krise Nr. 2 – Schaffe ich es, mit meiner Selbstständigkeit meine Kinder zu ernähren?

Dann brach mein Privatleben zusammen. Lange hatte ich mich gegen das Aus meiner Ehe gestemmt, damit meine Kinder ihren Vater im Haus hatten. Doch das brachte mich erneut an den Rand meiner Energie. Schließlich brachte ich die Scheidung durch, bezahlte teuer für meine Freiheit – doch im Nachhinein gesehen, gewann ich dadurch Energie.

Am Abend vor der Scheidung lag ich im Bett und mich überkam eine mächtige Welle Angst: “Würde ich es schaffen, mich und meine Kinder mit meiner Selbstständigkeit zu ernähren?” Die Angst schnürte mir den Bauch zusammen, es war ähnlich wie bei einer Geburt.

Das war meine Rettung – diese Ähnlichkeit brachte mich dazu, instinktiv so zu handeln, wie bei einer Geburt: Ich atmete zur Angst. Da lag ich schweißgebadet und atmete mich durch die Angst hindurch. Ich nahm sie als einen Tunnel wahr, durch den ich mich hindurcharbeitete, und sah auch am Ende “Licht” – dort wurde sie erträglicher und schließlich ebbte das Gefühl ab.

Ich nahm das als Zeichen und schaffte mir einen konkreten Plan an.

Aus dem Tun heraus, aus dem Suchen wurde ein Finden. Ich betrachtete meine drei Geschäftszweige nach folgenden Kriterien zu betrachten:

  • Welcher Zweig am mühelosesten lief,
  • gleichzeitig den größten Umsatz machte und
  • den meisten Menschen Erfolg brachte,

Da blieb meine Gesundheitsmesse das Festival der Sinne übrig.

Und da brachte ich nun gezielt Struktur hinein.

Und dann lief es.

Aber nicht starr, sondern an den Markt angepasst.

Wie Bambus, stabil, aber biegsam im Wind.

Bis 2015. Da wandelte sich der Markt erneut.

Ich begann mich umzuschauen.

Und im Mai 2016 begann ein neuer Bambus zu sprießen. Der, wo du gerade darin liest.

 

Deine

Eva Laspas

Akademie Schreiben lernen

 

 

 

Eva Laspas
 

Ich bin Eva Laspas und unterstütze dich dabei, bessere Texte für dein Unternehmen zu schreiben. Wie? Indem ich komplexe Themen einfach zum „Be-greifen" aufbereite. Durch Blogartikel, Bücher, Kurse und Text-Konzepte.

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