Tipps zum nachhaltigen Umgang mit einer Schreibblockade

Diesen Beitrag hat dir Marie Gräff geschrieben von www.schwellentroll.de

 

 – oder wie du deinen Schwellentroll zähmst.

 

Jeder Mensch, der mit dem Verlangen zu schreiben geboren wird, hat auch die nötigen Fähigkeiten dazu.

Daran glaube ich fest.

Nun ist es aber so, dass die Realität auf den ersten Blick oft anders aussieht. So häufig begegne ich Menschen mit einem brennenden Verlangen, zu schreiben. Sie haben tolle Ideen, einen individuellen Stil. Eigentlich müsste ihnen ein Text nach dem anderen aus der Feder fließen. Doch es passiert – nichts.

Stattdessen sind ihre Wohnungen perfekt geputzt und ihre Sprache mit dem Konjunktiv ‘sollte’ gespickt. Doch das Schlimmste sind ihre Mienen: Sie erzählen von unerfüllten Träumen und von der Qual, als geborener Schriftsteller nicht schreiben zu können.

Ich weiß wie sich das anfühlt – leider. Viele Jahre lang war ich dem Mysterium Schreibblockade hilflos ausgeliefert, doch dann begegnete ich meinem Schwellentroll …

 

Gestatten, dass ich vorstelle? Der Schwellentroll:

Eines Tages, als ich mal wieder richtig frustriert den Geschirrspüler ausräumte, statt zu schreiben, sah ich aus dem Augenwinkel etwas Rotes. Ich hob den Kopf. Wie hatte ich ihn nur übersehen können!

Auf der Schwelle zu meinem Schreibraum saß ein großer fetter roter Troll. Sein gemeines Grinsen sagte mir ‘hier kommst du nie vorbei’.

Plötzlich ahnte ich, dass er die ganze Zeit schon dagewesen war. Unbemerkt hatte er mich manipuliert, mir gemeine Sache ins Ohr geflüstert und mit allen Mitteln zu verhindern gesucht, dass ich meine Träume lebte.

Doch, ha! Nun hatte ich ihn gesehen. Und ich beschloss, den roten Dickwanst von nun an in seine Schranken zu weisen! 😉

 

Natürlich ist der Schwellentroll nur ein Bild. Er repräsentiert für mich die Selbstzweifel, erlernten Verhaltensmuster und die Sabotage durch wenig verständnisvolle Zeitgenossen, die uns auf dem Weg in unsere authentische Schreibkraft zwangsläufig begegnen und die sich – wenn wir uns nicht mit ihnen beschäftigen – gerne zu einer Schreibblockade auswachsen.

Der fett gewordene Schwellentroll ist mein augenzwinkerndes Bild für jede Form der Schreibblockade. Sich seinen größten Albtraum als Karikatur vorzustellen, hilft übrigens bereits ungemein bei der Bewältigung – vielleicht magst du ja mal mit deinem eigenen Schwellentroll Bekanntschaft schließen? 😉

 

Wie erkennt man eine Schreibblockade?

Wahrscheinlich fragst du dich gerade, ob du auch so einen Troll hast und woran du ihn überhaupt erkennen kannst (abgesehen davon, dass er nervt ;-)).

Nun wird dein Troll eine ganz individuelle Gestalt und Farbe haben sowie bestimmte Lieblingstricks, mit denen er dich vom Schreiben abhält. Du wirst ihn persönlich kennenlernen müssen, um dir ein Bild zu machen. Es gibt jedoch eine Reihe von verbreiteten Anzeichen dafür, dass dein Schwellentroll das Regiment übernommen hat. Einige davon habe ich dir hier aufgelistet:

  • du hast keine Lust zu schreiben
  • dir fällt nichts ein
  • du bist unzufrieden mit deinen Ergebnissen
  • du hast ein schlechtes Gewissen, wenn du schreibst
  • du hast grundsätzlich nie Zeit zum Schreiben (Jaaa, das ist eine Ausrede 😉 )

Das wichtigste aller Kennzeichen ist jedoch, dass du unter dem Ist-Zustand leidest.

 

Hilfe, ich habe einen Schwellentroll! Und nun?

Es gibt eine ganze Reihe von klassischen Tipps und Tricks, die du anwenden kannst, wenn du unter einer Schreibblockade leidest. Google einfach mal danach und du wirst mit Hinweisen regelrecht überschüttet werden. So kannst du dir zum Beispiel eine Uhr stellen, einen Freund einspannen, der dich nach einer Stunde anruft und nachfragt, ob du geschrieben hast oder deinem inneren Schriftsteller ein Eis versprechen, das er nur dann bekommt, wenn er mindestens eine Stunde am Ball bleibt.

Das sind alles gute Werkzeuge, doch sie haben den Nachteil, dass du deine Schreibblockade damit nur temporär durchbrichst – und am nächsten Tag möglicherweise wieder vor dem gleichen Problem stehst.

Ich möchte dir auch gar nicht vorschlagen, diese wertvollen Hilfen nicht mehr anzuwenden. In manchen Situationen wirst du sie schlichtweg brauchen. Besonders dann, wenn du bei deinem kreativen Projekt eine Deadline einzuhalten hast und dein innerer Künstler genau zum richtigen Zeitpunkt beschließt, in Streik zu treten. 😉

Also behalte deine Anti-Schreibblockaden-Tricks ruhig. Aber achte darauf, dass du sie nicht ständig benutzt. Zu häufig angewendet, besteht nämlich die Gefahr, dass…

  • sie sich abnutzen, da dein Schwellentroll irgendwann deine Tricks kennt und neue Wege findet, dich vom Schreiben abzuhalten.
  • du vollkommen den Spaß am kreativen Schreiben verlierst. Denn dein innerer Künstler ist ja nicht dumm. Er merkt sehr bald, was du da tust und da er die Natur eines verspielten Kindes hat, wird er es hassen, zu etwas gezwungen zu werden und sei es auf noch so diplomatischen Wegen.

 

Schreibblockaden nachhaltig lösen

Um deiner Schreibblockade über das bloße Anwenden von Trick hinaus langfristiger auf die Spur zu kommen, solltest du dir zunächst einmal bewusst machen, was eine Schreibblockade im Kern ist. Der Schwellentroll ist zwar als Bild sehr eingängig, doch die wichtigste Frage ist: Warum ist er bei dir so dominant? Und warum kann sich dein innerer Künstler nicht gegen ihn behaupten?

Ich habe bereits zu Anfang dieses Textes erwähnt, dass ich der Überzeugung bin, dass du schreiben kannst – wenn dein Interesse am kreativen Schreiben authentisch ist. Wenn du trotzdem immer wieder blockiert bist, dann wollen Schwellentroll und innerer Künstler dir gemeinsam etwas mitteilen.

Stelle dir eine Wippe vor. Auf der einen Seite sitzt dein Schwellentroll, auf der anderen dein innerer Künstler. Normalerweise ist die Wippe im Gleichgewicht oder schwingt leicht hin und her. Jeder der beiden kommt mal zum Zug, da beide ihre Berechtigung haben.

Bei einer dauerhaften Schreibblockade ist der Schwellentroll viel fetter als der Künstler. Was zur Folge hat, dass er gemütlich auf der Erde sitzt, dich höhnisch angrinst, während dein Künstler sich oben in der Luft nicht rühren kann.

Dein Leben ist aus dem Gleichgewicht. Etwas in der Art, wie du denkst, fühlst und handelst bereitet einen fetten Nährboden für deinen Schwellentroll und vergiftet zugleich deinen inneren Künstler.

 

Was tun?

Die Veränderung der grundsätzlichen Umstände, die Schreibblockaden begünstigen, geht nicht ganz so schnell wie das Anwenden irgendwelcher Tricks. Trotzdem lohnt es sich. Denn wenn du nachhaltig positive Umstände für deinen inneren Künstler schaffst und deinen Schwellentroll in die ihm zugedachten Grenzen weist, gewinnst du nicht nur die Fähigkeit, zu schreiben zurück. Du wirst es auch mit mehr Freude und Leichtigkeit tun, bessere Ergebnisse erzielen und zufriedener mit dir sein. Und ganz nebenbei hat es erstaunliche Folgen für alle Bereiche deines Lebens, wenn du  wagst, deine Träume wahr zu machen.

Im Folgenden findest du einige Anregungen, wie du deiner Schreibblockade auf die Spur kommen kannst. Fühle dich jedoch frei, diese auf deine eigenen Bedürfnisse anzupassen.

 

Kläre dein ‘Warum’

Warum möchtest du überhaupt, dass kreatives Schreiben eine größere Rolle in deinem Leben spielt? Wenn deine persönlichen Gründe fürs kreative Schreiben nicht glasklar vor deinem inneren Auge erscheinen, hat dein Schwellentroll leichtes Spiel. Dabei müssen dies keine erhabenen Gründe wie ‘ich will die Welt zu einem besseren Ort machen’ sein. Wichtig ist, dass dein Grund authentisch ist.

 

Frage deinen inneren Künstler, was er braucht, um kreativer zu sein.

Hast du deinen inneren Künstler überhaupt schon einmal gefragt, warum er so bockig ist? Wie wäre es, wenn du einmal unzensiert aufschreibst, was er zu sagen hat?

 

Erforsche deinen Schwellentroll

Niemand beschäftigt sich gerne mit seiner dunklen Seite. Aber wenn du deinen Schwellentroll nicht im Auge behältst, wirst du von ihm ferngesteuert. Notiere dir seine Lieblingstricks. Lausche aufmerksam auf seine Gemeinheiten (und frage dich ruhig einmal, wessen Stimme das ist: Die deiner Eltern? Deiner Lehrer?).

Wenn du deinen Schwellentroll besser kennst, bemerkst du ihn bereits viel früher und kannst besser gegensteuern.

 

Schaffe in deinem Alltag Respekt für dein kreatives Projekt

Du kannst unmöglich kreativ wachsen, wenn weder du, noch irgendjemand anderes den nötigen Respekt für dein Projekt aufbringt. Respekt äußert sich übrigens nicht in leeren Worten, sondern in liebevollen Taten (und manchmal auch darin, nichts zu tun).

Das bedeutet konkret:

  • beobachte deinen Umgang mit deiner Schreibzeit. Kannst du sie gegenüber all den wichtigen Dingen und Menschen verteidigen?
  • Kannst du deine Schreibzeit als wertvolle Zeit wahrnehmen oder hast du das Gefühl, sinnlos Zeit zu vertun?
  • Zwischenmenschlicher Respekt: Akzeptiert dein Umfeld dein Schreiben? Oder wirst du ständig unterbrochen, kritisiert, lächerlich gemacht?
  • Gehst du liebevoll mit deinem inneren Künstler um? Gibst du ihm Zeit, sich von anstrengenden Aktivitäten zu erholen? Baust du Dinge in dein Leben ein, einfach nur, weil dein Künstlerkind Spaß daran hat?

Notiere die einige Punkte, in denen du dir selbst und deinem Schreibprojekt mehr Respekt erweisen könntes. Und dann setze sie nach und nach um.

 

Vergiss das Schreiben 😉

Nein, ich bin nicht verrückt geworden. Und ja, dieser Tipp steht in gewissem Widerspruch zu den vorangegangenen. Aber kreatives Schreiben ist nun einmal widersprüchlich, genauso wie das Leben selbst. 😉

Manchmal sind wir so versessen darauf, endlich diese Schreibblockade loszuwerden, dass wir komplett aus den Augen verlieren, warum das für uns überhaupt wichtig ist. Wir verbeißen uns in unser Problem und vergessen dabei, zu leben.

Warum wollten wir nochmal diese Schreibblockade loswerden?

Genau, um mehr Freude und Leichtigkeit zu erfahren.

Wie wäre es, wenn du diese Qualitäten schon einmal außerhalb deines Schreibens in dein Leben bringst? Du könntest einmal Pause machen, einen Spaziergang in den Wald oder einen Tagesausflug zu einem Ort, der dich inspiriert.

Nun hast du bereits einige Ansatzmöglichkeiten, wie du deiner Schreibblockade langfristig auf die Schliche kommst, kennengelernt. Ich möchte dich aber auch herzlich dazu einladen, deine eigene Intuition zu befragen, was gerade wirklich wichtig für dich ist. Meist ist die Lösung für das Rätsel Schreibblockade schon in deinem Inneren vorhanden. Du musst nur aufmerksam zuhören, was deine Intuition dir sagen möchte.

 

Falls du weitere Inspirationen zum Thema Schreibblockade suchst, kannst du dir hier mein kostenloses Worksheet: 10 Fragen, wie deine Beziehung zum Schreiben ist.’ herunterladen.

 

Einladung zum Austausch:

Welche Erfahrungen hast du bereits mit dem Lösen von Schreibblockaden gemacht?

Was hat dir geholfen?

 

 

SchreibblockadeAlles Liebe,

deine Marie

Marie Gräff ist Autorin, Schreib- und Kreativcoach. Sie bloggt auf www.schwellentroll.de über die Kunst, Schreibblockaden nachhaltig zu lösen und sich ein erfolgreichen und erfülltes Schreib-Leben zu erschaffen.

 

 

Bildquellen

  • marie_graeff: Marie Gräff
  • schreibblockade_gastbeitrag_marie_graeff: Marie Gräff
Eva Laspas
 

Ich bin Eva Laspas und unterstütze dich dabei, bessere Texte für dein Unternehmen zu schreiben. Wie? Indem ich komplexe Themen einfach zum „Be-greifen" aufbereite. Durch Blogartikel, Bücher, Kurse und Text-Konzepte.

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